POWER PLUSH

2019 finden Power Plush über Umwege zueinander, doch verfolgen dieselbe Mission. Um den gemeinsamen Traum, in einer Band zu spielen, zu realisieren, lernen die vier in autodidaktischer Manier ihre Instrumente. Angetrieben durch die gemeinsame Begeisterung für die alternative Gitarrenmusik, scheint die Band nun endlich dort angekommen zu sein, wo sie hingehört: in ihrer neuen, pink-verzerrten Ära.

Aber von vorne: 2021 erscheint ihre erste EP “Vomiting Emotions” via Beton Klunker Tonträger. Ein sanftes Herantasten an die eigene Bandidentität, mögliche Sound-Entwürfe, die sie später als “Power-Plüsch-Pop” deklarieren werden, und vor allem eine ungefilterte Sammlung der kleinen und großen Gefühle – ausgekotzt auf einem pastellfarbenen Glitzertablett aus Pappmaché.

Während dieser Sud langsam aber sicher die Farben des Power Plush-Tuschkasten annimmt, errichtet die Band, bestehend aus Svenja (Git., Vocals), Mia (Git., Vocals), Anja (Bass, Vocals) und Nino (Drums), auf diesem Fundament eine utopische Welt aus Watte, Bauschaum und Knete. Ein Paralleluniversum des achtsamen Zusammenlebens, das sie “Coping Fantasies” taufen werden. Bis dato soll sich die Band für ihre Einfühlsamkeit bereits einen Namen gemacht und eine Community von Plushies hinter sich geschart haben, die diesen Gestus teilen.

War ihr Debütalbum “Coping Fantasies” eine emotionale Raststätte, die den Weltschmerz – und sei es auch nur für einen Moment – vergessen gemacht hat, so düsen Power Plush nun in ihrem pinken Flitzer auf der Überholspur in eine neue Ära. Und klar: die alten Werte sind immer noch wichtig, lediglich die Verhandlungsposition hat sich geändert. Es ist der Abschied von den Pastellfarben, dem verspielten Verschnörkelten, dem Subtilen. Stattdessen wird’s pointierter. Zurück zu den Punkwurzeln der Band, die der Corona-Pandemie erlegen sind. Zurück in die Zukunft.

Daran nicht ganz unbeteiligt: Produzent Dennis Borger (u.a. Betterov, Paul Weber, Ronja), der die rockige Attitüde der Plushies auf einem ihrer Auftritte antizipiert und sie infolgedessen ins sagenumwobene Distortion-Bootcamp schickt, um den neu entfachten Spirit im Studio umzusetzen. Dass Power Plush in dieser Zeit ohnehin an neuen Demos arbeiten, die diesem Spirit soundlich zugutekommen, mag Zufall oder Fügung sein, die Intuition jedenfalls ist die richtige.

Die Zusammenarbeit erweist sich als Perfect Match. Power Plush klingen nun greifbarer, verlassen ihre verträumte Welt und landen zurück in der Realität, die es mit all ihren Ecken und Kanten zu bewältigen gilt – begleitet von einem Sound, der größer anmutet als noch vor eineinhalb Jahren. Ein Sound, der mutiger ausbricht und intensiver atmet, der auf größere Bühnen gehört und vor allen Dingen in der Wirklichkeit spielt.

Apropos spielen: Power Plush haben in den vergangenen drei Jahren so gut wie jeden Backstage der Republik gesehen und waren unter anderem als Support mit Tocotronic, Kraftklub, Blond und den Leoniden unterwegs. Durch das viele Live-Spielen haben die vier ein neues Bewusstsein für die Band geschöpft, eine neue DNA geformt und sind reifer geworden indem, was sie verkörpern wollen: “Für uns fühlt es sich so an, als wäre das Power Plush-Universum gewachsen”, meint Mia. “Der Rock hat sich bei uns eingeschlichen und jetzt ist er da”, ergänzt Anja. In welche Sphären er Power Plush zu tragen vermag?

Text: Sofia Hoffmeister

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