KAMERUN QRELLA GROUP

Hinter der KAMERUN QRELLA GROUP stecken die Musikerin Masha Qrella und der Musiker Schorsch Kamerun (Die Goldenen Zitronen).
Auf ihrem für den 20. November 2026 angekündigten Debütalbum „Abteilung Blühende Landschaften“ beschreiben sie im künstlerischen Dialog die Geschichte der bundesrepublikanischen Wiedervereinigung und deren Folgen – den einst darin eingeschriebenen Versprechen, Hoffnungen und bröckelnden Utopien. Dem kulturpolitischen Scheitern und den damit verbundenen Verletzungen setzen sie ein sprach- und musikstarkes Miteinander entgegen, das zutiefst an verbindende Kreativität glaubt.
Diese Top-GROUP wird gebraucht, sie macht Ost-West-Popkultur mit Gemeinsamkeit als Strategie!
Gegründet hat sich die Gruppe im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Ost-West-Kantine“ in der Berliner Akademie der Künste. „Weil das alles, trotz oder gerade wegen der Unterschiede und Missverständnisse, auch so viel Spaß und Sinn gemacht und sich wie ein Anfang angefühlt hat, haben wir begonnen, gemeinsam Stücke zu schreiben“, sagt Masha Qrella über ihre neue Gruppe. Kamerun ergänzt: „Achtung, Selbstzitat: „In einer sicher komplexen Zeit / Sind die einfachsten Ideen / Nicht die einzige Möglichkeit / Um gemeinsam abzugehn‘.“
„Wer schließt hier wen aus und wer drängt wo wen raus?“, fragen sie uns auf der ersten Single „An den Reglern“ und untersuchen Positionen im Kulturbetrieb im Hinblick auf die Vita seiner Verantwortlichen. Wie viele erfolgreiche Bands mit Ost-Sozialisation gibt es aktuell?! Wie viele Moderator*innen in den Tagesthemen?! Und warum müssen wir diese Unterscheidungen überhaupt noch machen?! 37 Jahre nach dem Mauerfall. Müssen wir das wirklich immer noch unterscheiden?! Also Ost und West? Und singen: „Und du bist nicht mein Bruder / Und du bist nicht meine Schwester / Wir sind nicht euer Vater / Und schon gar nicht euer Land“. Trotzdem: „Physischer Zusammen-raum / Soll nicht ausgeträumter Traum“.
Mit Masha Qrella hat die Group eine erfolgreiche Indiepop-Expertin mit ostdeutscher Sozialisation (Mina, Contriva) an Board und mit Schorsch Kamerun einen Lautsprecher der Subkultur von BRD1 (Porsche, Genscher, Hallo HSV!) bis nach Berlin-Mitte (Volksbühne Berlin). Musikalisch bewegen sie sich zwischen Indiepop und Agitprop mit elegantem Gerassel und Postpunk-Bässen, zwischen Harmoniegesängen und Mehrstimmigkeiten, aber es wird sich auch bewusst gegenseitig ins Wort gefallen. Ein glamouröses Wiedervereinigungs-Drama!
Ein raufender Track wie „Lucy“ könnte locker auch von den Goldenen Zitronen sein, während sich die KAMERUN QRELLA GROUP im Song „Avantgarde“ fast schon in ABC-Popgefilde traut und inhaltlich vor jenem warnt, was heute aus dem Erbe von Stockhausen, Cage, Pauline Oliveros oder den Darmstädter Kursen teils schwer eingemottet meist eher in den Hochkulturhäusern spielt.
Das „Besondere“ als Distinktionsbetrieb. Bei aller Liebe zur Mikrotonalität und Minimal Music! „Freies Tanzen kann aber auch verrenken“, heißt es in dem Song – „Ik gloob ik spinne!“.
„Das ist die größte Berührung, die ich je erlebt hab’“, spricht Masha Qrella zum Geplocker eines DAF-Sequenzers im vielleicht dringlichsten Stück des Albums: „Libellen“: „Ich schenke dir Aufmerksamkeit, auch um mir selbst zu helfen“, und „verbundene Erzählung schafft gemeinsamen Widerstand“, heißt es da. Zwischenmenschliche Begegnungen als politische Strategie.
Bitte alle jetzt ihr Handy an der Garderobe abgeben.
Kurz: Die KAMERUN QRELLA GROUP überführt Diskurse über „Zugehörigkeit“ in eine neue, fantastische Indiepopwelt. Die mit den hübschen Insta-Kacheln. Und den ganzen Fördermitteln. Also in uns alle! All die seit fast 40 Jahren erfolgreich verdrängten Fragen zu Identität und Zugehörigkeit, Bedürfnissen und Befindlichkeiten werden auch nach den nächsten Landtagswahlen sicher nicht zu Ende beantwortet sein. Wir müssen uns also weiterhin diesen Fragen stellen. Im Jugendzentrum und im Job, der Kultur und dem Miteinander, bei der Bildung und Bio-Bäcker. Sonst gibt es kein kollektives Weiter! Und wo es kein Weiter mehr gibt, da lauert öder Stillstand oder Barbarei – als ziemliches Gegenteil von „Blühenden Landschaften“.






