OLAFUR MOWA

Olafur Mowa wurde im Jahr des Millennium-Bugs in Berlin geboren: im Jahre 2000. Naja, streng genommen gab es den Millennium-Bug ja gar nicht. Nur die Angst davor. 26 Jahre später bringt er nun sein Solo-Debütalbum heraus. Es trägt den Titel „Post Internet Era“und beschäftigt sich schon wieder mit dem Ende von etwas, das vermutlich niemals eintreten wird: dem Internet.
Dennoch wissen wir natürlich alle sofort, was damit gemeint ist: Das Internet fühlt sich schon lange an wie ein Discounter am Stadtrand und hat mehr Werbeminuten auf einem YouTube-Channel, als das schlimmste Privatfernsehen jemals hatte, man könnte auch Dauerwerbesendung dazu sagen. Und auch wenn „Most Of The Internet Fake“ sein dürfte, oder eine Sackgasse, wie wir heute wissen, verbringen wir doch alle ganz schön viel Zeit in eben diesem schwindelerregenden Hochstapler-Hyperraum.
Die 10 Songs auf diesem Album jedenfalls, die Olafur Mowa zusammen mit seinem Freund Donkey Kid produziert hat, handeln von dieser unserer Gegenwart, in der alle wissen, dass das Internetzeitalter – das für Olafur Mowa einst mit dem iPhone 5 und Beats-Kopfhörern begann – alles andere als der utopische Safe Space ist, den man sich als junger Digital Native davon erhofft hatte. So handelt dieses Album – irgendwo zwischen Indie-Alternative und Electro-Pop, Dubstep-Bässe und Johnny Marr-Gitarren, auf dem ein Song nicht zufällig Mazzy Star heißt, und einem jungen, leidenschaftlichen Sänger, der uns eher an Hackney-Wick als an Neukölln denken lässt. Und nicht nur von Nullen und Einsen, sondern vor allem von dem wilden Leben da draußen; dem Abhängen mit Freund*innen, Liebeskummer in den eigenen vier Wänden, von Konzerten und dem Drink am Späti danach – auch wenn selbst dieses ganze Leben da draußen kaum mehr ohne dieses Internet denkbar ist.
Aber noch einmal von vorne: Olafur Mowa kam über die 60ies Beat-Musik, Punk und HipHop in der Pop-Gegenwart an. Als Teenager gründete er mit seinen Freunden die Indie/Funk-Band GiGiBlow, die sich weit über die Grenzen Berlins einen sehr guten Live-Ruf als Partyband erspielt hat. Irgendwann entstand in ihm der Wunsch, Songs ohne Partykontext zu schreiben: Balladen, Herzschmerz, Blues und Wundenlecken. All das, was zu einem guten Coming-of-Age dazugehört. Und Coming-of-Age geht heute eben weit über die Teenager-Zeit hinaus. Das hat womöglich auch schon wieder mit dem Internet zu tun. Mit all diesen unendlich vielen Möglichkeiten, all den Optionen zwischen internationalen Wohnungstausch-Portalen und EasyJet-Angeboten, all den Bumbles und Tinders, TikToks und Instagrams, you name it. Und natürlich der Frage, wie man sich als junger Mensch in so einer Welt nur entscheiden soll. Und wofür? Ein Popstar zu werden?! Scheint auf jeden Fall eine der interessantesten Optionen zu sein.
Ansonsten interessiert sich Olafur Mowa gerade sehr für Tanz und Tischlerhandwerk. Und hat keine Bange davor, sich mit den Geistern der Vergangenheit auseinanderzusetzen, und um Worte und einen musikalischen Ausdruck zu ringen, um sich wenigstens auf poetischem Wege ein Bild von der Welt zu machen. Oder zumindest erst einmal ein „Selfie on the beach“ zu machen, wie es in einem seiner Songs nun heißt.
So ist „Post Internet Era“ sicher eines der spannendsten Newcomer-Alben aus der Hauptstadt in diesem Jahr. Es spannt einen Bogen von Bob Dylan über Slowthai bis hin zu einem von den rund 5.000 Suno-Songs, die in den wenigen Minuten gepromptet wurden, die es brauchte, um HIERHER, an das Ende dieses Textes zu gelangen.







