DREAM WIFE

“The gatekeepers, the so-called legends / Ya boys gonna let the girls play? / Or are they merely ornaments on display?” – so heißt es in „Leech“, der mutigen und explosiven ersten Single aus dem lang erwarteten dritten Album Social Lubrication von Dream Wife. Es ist ein rocklastiger Aufruf zu mehr Empathie in einer Welt, die noch immer von patriarchalen Systemen und hinterhältigen Schweigekodizes gestützt wird. „Empathie ermöglicht es uns, zusammenzuarbeiten, gemeinsam etwas aufzubauen und Dinge zu schaffen, die größer sind als das Individuum“, sagt Bassistin Bella Podpadec heute. „Aber es gibt auch vieles an unserer modernen Gesellschaft, das uns den Zugang dazu verwehrt und uns beibringt, dass das schlecht oder gefährlich sei.“

Diese Themen – die Erschöpfung durch das Patriarchat, die Ablehnung von Systemen, die uns einengen sollen – durchziehen Social Lubrication wie ein brodelnder Unterstrom. Im Opener „Kick in the Teeth“, einem direkten, kompromisslosen Rockkracher, singt Sängerin Rakel Mjöll: „Ich habe so viel von meiner Jugend damit verbracht, meinen eigenen Wert zu hinterfragen / Lolita ist jetzt erwachsen, wer hätte das gedacht?“ (eine Anspielung auf den Track „Lolita“ aus dem Jahr 2016). Später, im Titelsong „Social Lubrication“, wettert die Band gegen jede Form von „patriarchalem Bullshit“, von „ungefragten Ratschlägen zum Verhalten“ bis hin zu geschlechtsspezifischer Gewalt. „Wie ist es eigentlich, eine Frau in der Musik zu sein, meine Liebe?“, singt Rakel über dreckige Riffs und disco-inspirierte, electroclashige Rhythmen (man denke an CSS oder Be Your Own Pet). „Das würdest du mich nie fragen, wenn du mich als gleichwertig ansehen würdest.“

Dream Wife waren schon immer darin geübt, das Politische mit dem Spielerischen zu verbinden – und Social Lubrication ist da keine Ausnahme. Wichtige Botschaften verstecken sich in heißen, energiegeladenen Dancefloor-Hymnen über Knutschen, Spaß haben und neugierig bleiben. Im verspielten, sexy Highlight „Hot“ nimmt die Band augenzwinkernd Musiker – einschließlich sich selbst – auf die Schippe. „Date keinen Musiker“, singt Rakel über eingängige Drums im Stil der B-52’s und kantige Melodien. „Sie werden denken, du bist Konkurrenz / Ich war nie Konkurrenz, ich war einfach nur … heiß.“ Letztlich dreht sich ein Großteil des Albums um Verlangen: sexuelles Verlangen, Lebenslust, die Sehnsucht nach Freiheit und danach, loszulassen – gerade im Angesicht der Erwartung, ein braves, höfliches „gutes Mädchen“ zu sein. „Ein ‚gutes Mädchen‘ zu sein ist nicht dasselbe wie ein guter Mensch zu sein“, sagt Rakel. „Das ist etwas, das ich erst ablegen musste.

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